baerentatze

Sprachspuren in Marketing, Kultur, Ethik
Globisch, Englisch und Deutsch

Beitrag vom 4 Mai 2010

Über Globisch, Englisch und Deutsch erscheint in Kürze ein Buch, an dem ich vier Monate geschrieben habe. Es betrifft auch das Kitschenglisch, das ich Globalesisch nenne, um es vom Globischen zu unterscheiden. Nun ist es beim Lektor.

Oliver Baer @ 15:43
Gespeichert in: Sprachpflege
Kleine Pause

Beitrag vom 23 Februar 2010

Der Baer, dem die Tatze eigen ist, hält nicht etwa seinen Winterschlaf. Er hat nur ziemlich viel zu tun. Deshalb verlängert sich die Denkpause der baerentatze um weitere Wochen oder Monate.

Oliver Baer @ 14:43
Gespeichert in: Unternehmen
Fußball keine öffentliche Aufbahrung mehr

Beitrag vom 10 Juni 2008

“Das WDR-Radio 1 Live hat die beste Wort-Alternative für Public Viewing gesucht – und gefunden: Rudelgucken. Die Duden-Redaktion zeigt sich angetan von dem Begriff.” Quelle: Digital Fernsehen

Zwei Initiativen des Vereins Deutsche Sprache, der Anglizismenindex und die Aktion Lebendiges Deutsch (ALD) standen Pate, wenn nun auch die Hörer von Live 1 witzige Komposita bilden.

Ein bisserl wird hier der ALD die Schau gestohlen, denn für eben diesen Begriff sucht sie in diesem Monat. Fremde Federn schmücken auch, aber was solls: Wenn es unserer Sprache zugutekommt? Und sogar der Duden aufwacht?

Zur Erinnerung: In Amerika – dem Land, aus dem wir offenbar unsere Kultur beziehen, zumindest unsere Anglizismen – versteht man unter Public Viewing eine öffentliche Aufbahrung. Sie findet statt, wenn ein Prominenter verschieden ist. Frage: Wie flach müssen Bildung und Englischkenntnisse sein, damit einer diesen Begriff für das Betrachten von Fußball umdeutet?

Antworten sie mit einer Geste.

Oliver Baer @ 11:52
Gespeichert in: Gesellschaft
Glänzende Marketingidee

Beitrag vom 27 März 2008

Eine brillante Idee für seine Direktwerbung per Schneckenpost hat mein Kunde Ingenieurbüro Simon in Dresden verwirklicht. Rechtzeitig vor Ostern flatterte diese Postkarte in den Kasten:

Direktwerbung Postkarte

mit einer Einladung zum Spaziergang am Tatort eines Objekts, wo das Büro die Tragwerksplanung durchführt. Die Restaurierung von Schlössern bietet Statikern Anlass zu dem Beweis, dass diese staubtrockene Ingenieurstätigkeit sehr wohl einige Kreativität verlangt.

Und hier die Rückseite der Postkarte:

eee

Die Empfänger von solchen Sendungen wissen zu schätzen, dass Jochen Simon zu fotografieren weiß und sammeln seine Werke. Darunter befinden sich die schon traditionellen, handgefertigten Kalender mit Reisebildern aus eigener Herstellung. Dabei ist jedes Bild händisch eingeklebt: Manufactum est. So wie jede Statikaufgabe einzeln gelöst wird.

Übrigens haben die Simons ihre Postkartenidee ganz ohne mich geboren. Wenn sich das herumspricht, hab ich bald nichts mehr zu tun.

Oliver Baer @ 14:04
Gespeichert in: Unternehmen
Geheimtipp für Banken

Beitrag vom 19 März 2008

Immer wieder läuft einem der vermeintliche O-Ton von Hilmar Kopper über den Weg. Man erinnert sich, er war es, der den Erdnüssen (“Peanuts”) eine volkswirtschaftliche Weltgeltung verschaffte. Er soll außerdem gesagt haben:

“… jeder muss im job permanently seine intangible assets mit high risk neu relaunchen und seine skills so posten, dass die benefits alle ratings sprengen, damit der cash-flow stimmt. Wichtig ist corporate-identity, die mit perfect customizing und eye catchern jedes Jahr geupgedatet wird!”

So zitiert ihn die Süddeutsche Zeitung im März 2007. Auch wiederholtes Klicken und Googeln bestätigt den Verdacht: Er hat es gesagt, er muss es gesagt haben.

Nun aber meldet sich die Londoner Financial Times, ihr passt die ganze Richtung nicht, wenn die Deutschen ihre Sprache als Produktionsfaktor wiederentdecken: An advantage or a sign of disrespect? Wenn es nach der FT ginge, müsste Porsche seine Entwicklungsarbeit lieber in englischer Sprache betreiben: “The company insists on all development work –“ and much else –“ being done in German, even when its largest market is the US.”

Man lasse das auf der Zunge zergehen: Weil der größte Markt der amerikanische ist, soll Porsche darauf verzichten, dass sich seine Techniker in der Sprache verständigen, die sie am besten beherrschen.

Und wem sollte das nützen? Den Investoren, den Lesern der Financial Times, gar den Kunden, ganz zu schweigen von den Mitarbeitern? Wohin es führt, wenn das Personal vor lauter Fremdsprache nicht mehr durchblickt, in welche Richtung die Türen auf- und zugehen, hat die Finanzwelt sattsam bewiesen, seit sie mit intangible assets fortlaufend high risk neu relauncht und ihre skills so postet, dass die benefits alle ratings sprengen. Das kann mal wohl sagen, Herr Kopper, allerdings stimmt der cash-flow nicht mehr. Dumm gelaufen, und zwar für die ganze Weltwirtschaft.

Mein Marketingtipp für Banken: Sprechen Sie Deutsch, besetzen Sie die Sprache als einzigartiges Merkmal (USP, fälschlicherweise als Alleinstellungsmerkmal übersetzt) für Geschäfte, die ab sofort nur noch seriöser Natur sind. Dass Banken Englisch für halbseidene Geschäfte verwenden, hat sich herumgesprochen.


Nachtrag: siehe Kommentar unten!

Oliver Baer @ 11:09
Gespeichert in: Unternehmen
Sprachstarke Marketing-Kultur

Beitrag vom 11 März 2008

Eine Empfehlung (nicht nur) für das ökologische Bauhandwerk, erschienen in den Sprachnachrichten des Vereins Deutsche Sprache (VDS)

Handbuch zum Marketing ökologischer Produkte und Dienstleistungen
Der Dresdner Marketing-Experte Oliver Baer hat in seiner jüngsten Veröffentlichung unter dem Titel “ÖKO UND NOCH ETWAS –“ Handbuch zum Marketing ökologischer Produkte und Dienstleistungen im Bauhandwerk” einen außergewöhnlichen Leitfaden für sprachstarkes Marketing vorgelegt.

In Baers Sinne ist Marketing mehr Kunst als Wissenschaft. Und so setzt er denn –“ fernab vom üblichen Guerilla-Marketing-Getöse –“ auf Werte und Methoden, die Glaubwürdigkeit und Vertrauen schaffen. Eine ehrliche Sprache ist gefragt. Denn der Erfolg eines Unternehmens ist nicht nur von Qualität, Termintreue und vielen anderen Faktoren abhängig, sondern auch von einer glaubwürdigen Unternehmensführung. Baers Marketingkonzept trägt zur Kundengewinnung und -bindung bei, schafft Wettbewerbsvorteile.

Dabei setzt Baer nicht nur auf klassische Werbemittel. Eine seiner Hauptthesen lautet: Werbemittel kann jeder kopieren, die Pflege von Beziehungen ist einmalig, weil sie an Personen gebunden ist. Und: Eine ökologische, aufrichtige Beziehung hält nur der ehrliche Anbieter durch. Und der überzeugt nicht zuletzt durch seine aufrechte Sprache.

(Nicht nur) Handwerker finden in diesem Kompendium Fragen und Antworten zum Beziehungsmarketing und zur Mechanik des Marketings von ökologischen Produkten und Dienstleistungen. Baers Wegweiser setzt auf nachhaltige Absatzförderung und Kundenpflege mit ihren Facetten Markenpflege, Erscheinungsbild, Zielgruppen, Umgang mit Kunden und Beschwerden, Verkaufsgespräche und nicht zuletzt auf eine gelungene Präsentation der eigenen Firmenkultur. Verschiedene Arten von Drucksachen, Anzeigen, Internetdarstellungen, Presse- und Medienarbeit sowie die Art und Weise auf Kunden zuzugehen werden beispielhaft erläutert und dargestellt. Die wichtigsten Zusammenfassungen der Kapitel in prägnanten Merksätzen sowie ein kleines aber feines Literaturverzeichnis runden den durch und durch gelungenen Band ab.

Zuletzt sei das Buch auch all jenen empfohlen, die von Zeit zu Zeit kompetente, zuverlässige und freundliche Handwerker verpflichten müssen. Nach der Lektüre des Buches habe ich verstanden, warum ich intuitiv stets die richtigen Entscheidungen bei der Auftragsvergabe an Handwerker gefällt habe.

Und so finden in diesem Buch nicht nur Handwerker, sondern auch Kaufleute und Dienstleister Anregungen und Beispiele für gelingsicheres Marketing. Nebenbei werden alle Leser lernen, wie sinnvoll und gewinnbringend die respektvolle Anwendung der deutschen Sprache ist.

Vera Pogarell

Der 74seitige Leitfaden ist für eine Schutzgebühr von 7,50 € zu beziehen über die
Handwerkskammer zu Leipzig
Umwelt- und Transferzentrum im Schloss Trebsen
Thomas-Müntzer-Gasse 4b
04687 Trebsen
oder unter
www.hwk-leipzig.de
Telefon: 034383 612 24


Da ich mich selbst nicht so loben dürfte wie es die Rezensentin tut, habe ich mir die Erlaubnis besorgt, Vera Pogarells Buchbesprechung hier wiederzugeben. (Oliver Baer)

Oliver Baer @ 14:43
Gespeichert in: Unternehmen
Krieg gegen die Armut

Beitrag vom 10 März 2008

Die südafrikanische Regierung hat einen War Room eingerichtet, für den War Against Poverty, den Krieg gegen die Armut.

Eine Idee ganz nach dem Geschmack des Kollegen, den wir in Johannesburg besuchten. “Sie werden eine A-Bombe draufwerfen”, sagte er, “auf die Armut”. Auf Englisch klang das so: “They’ll nuke it.” Nein, meinte ein anderer: “Gib ihr 24 Stunden, das Land zu verlassen, sonst setzt es was.”

Die Älteren erinnern sich vielleicht an den war room aus Stanley Kubricks Film Dr. Strangelove or: How I learned to Stop Worrying and love the Bomb (Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte die Bombe zu lieben) aus dem Jahr 1964. Dort inszenierten psychopathische Generäle, Politiker und Wissenschaftler ihre Vorstellung vom Krieg.

Jüngeren Datums ist der Aufstand der Anständigen, zu dem Kanzler Schröder nach dem Brandanschlag auf die Düsseldorfer Synagoge aufrief. Kollege Charlier sah bereits Kohorten von Rentnern mit erhobenem Schirm durch die Straßen ziehen, den Braunen viel Furcht einflößend.

Sprache in der Politik verrät nun mal den Geisteszustand ihrer Benutzer. Zum Beispiel beim Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Hat ihr schon mal einer die Fresse poliert, der Arbeitsminister zum Beispiel? Natürlich nicht, so war der Kampf nicht gemeint. Und der Krieg in Südafrika auch nicht. Aber, was meinen die Regierenden wirklich?

Oliver Baer @ 20:09
Gespeichert in: Gesellschaft
Der entsorgte Verstand

Beitrag vom 10 März 2008

Was sind wir Marketingfritzen doch ein seltsames Völkchen! Wir schaffen uns ein eigenes Universum, und das Unternehmen muss daran glauben.

In den oberen Etagen gelingt das sogar, die Leute haben zu viel um die Ohren, um unser Wort auf die Goldwaage zu legen. Dumm ist daran nur, dass uns die Todsünde der Werbung unterläuft: Wir glauben unser Wortgeklingel. Und je falscher es klingt, desto lauter singen wir.

Bitte lesen Sie weiter auf: www.baer-coach.de; für die baerentatze ist der Beitrag zu lang.


Der Beitrag wurde auch in den Sprachnachrichten (Heft 1/2008) des Vereins Deutsche Sprache (VDS) veröffentlicht.

Oliver Baer @ 16:30
Gespeichert in: Unternehmen
Steht’s im Duden?

Beitrag vom 8 Dezember 2007

Manche Texter berichten, dass ihr Kunde einer wohlüberlegten, neuen Wortschöpfung misstraut: “Steht’s im Duden?” Nur dann sei es rechtens, sonst müsse das Wort durch ein bekanntes ersetzt werden, und sei es noch so abgelutscht.

Die Frage geht am Wesen der Sprache vorbei, und sie widerspricht der Absicht der Dudenredaktion. Wozu der Duden da ist, beschreibt Karin Rautmann von der Redaktion hier: Wie kommt ein Wort in den Duden?.

Demzufolge kommt über kurz oder lang in den Duden, was das Sprachvolk so häufig verwendet, dass man es nicht mehr übersehen kann. Nicht der Duden entscheidet, sondern wir alle zusammen. Das ist mit Demokratie aber nicht zu verwechseln, denn dazu müsste eine von zwei Bedingungen zutreffen:

Entweder es gäbe ein (demokratisch entstandenes) Gesetz, das lautet: Was Deutsch ist, bestimmt der Duden. Oder es müsste für jedes Wort ein Volksentscheid herbeigeführt werden. Beides ist nicht der Fall. Der Duden ist auch nicht die Bibel der deutschen Sprache. Er profitiert davon, dass die Leute glauben, er sei der Wahrer der Sprache. Nach dem Selbstverständnis der Redaktion ist er das aber schon gar nicht: Der Duden beobachtet, was sich in der deutschen Sprache tut und zeichnet es auf. Was davon bewahrenswert ist, beurteilt er ausdrücklich nicht.

Ob einem das passt, ist eine andere Frage. Ob ein Wort im Duden steht, kann jedenfalls nicht zu der Antwort führen: “Wenn’s im Duden steht, gibt es das Wort.” Also, liebe Kunden: Öffnen wir unsere Fenster für Wörter, die den Leser überraschen und ansprechen (und die Redaktionen des Wahrig und des Duden verblüffen).

Oliver Baer @ 13:14
Gespeichert in: Unternehmen
Cooler Slogan gesearcht

Beitrag vom 23 November 2007

Im Fernsehen des Westdeutschen Rundfunks finden wir die zwei Bedingungen für Nordrhein-Westfalens neuen Slogan: “Erstens sollten sich alle Bürger aus ganz NRW mit dem Slogan identifizieren können, zweitens sollte er – wenn möglich – ein englisches Wort enthalten.”

Dazu sammelte der WDR Vorschläge, darunter:

My NRWay!
Simply-NRW
NRW – Numberone Region. Worldwide
NRW4ever
No Run aWays
Living NRW

Einen hübschen Vergleich brachte Dr. Alfred Becker im internen Verteiler des VDS (Verein Deutsche Sprache): “Wenn ein hipper Abteilungsfuzzi der Landesregierung meint: ‘Unsere Community braucht einen coolen Slogan zur besseren Promotion’, dann wird er garantiert befördert. Wenn sein englischer Kollege sagt: ‘Our Gemeinwesen needs a lockeren Wahlspruch for better Werbung!’ dann kommt er in die Klapsmühle (loony bin). Manchmal wünscht man sich englische Verhältnisse!”

Oliver Baer @ 19:34
Gespeichert in: Gesellschaft
Wieso die Bahn verliert

Beitrag vom 17 November 2007

Wie der Streik auch ausgehen mag, die Bahn hatte ihn verloren, bevor er begann. Weil sie die Bürger gegen sich aufbringt. So unbeliebt war die Bahn zu keiner Zeit, auch nicht als wir noch eine Bahnsteigkarte lösen mussten, um die Lieben am Zug zu begrüßen. Seither hat sich die Bahn ihren Kunden entfremdet. Schon durch ihre Sprache verrät sie Tag für Tag, dass sie uns nicht als Fahrgast schätzt, sondern als Komponente ihrer Gewinn- und Verlustrechnung.

Der Kunde merkt’s und ist verstimmt. Und hält klammheimlich zu den Lokführern: “Endlich mal einer, der es der Bahn zeigt! Das ist die Mühe wert.” Hätte die Bahn im Bürger einen Verbündeten, hätten die Lokführer längst klein beigegeben. So kann die Bahn ihre streikbedingten Millionenverluste nur sich selbst zuschreiben. Die Lokführer nutzen die Gunst der Stunde. Ob die Bahn daraus lernt? Falls ja, werden wir es an ihrer Sprache merken, denn sie spiegelt die Einstellung des Bahnvorstands zu seinen Kunden.

Oliver Baer @ 11:16
Gespeichert in: Unternehmen