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Sprache in Gesellschaft und Geschäftsleben
Verzicht auf die beste Sprache

Beitrag vom 13 Mai 2018

Deutsch ist die beste Sprache, Deutsch ist verzichtbar. Darüber wird sinnfrei gestritten. Gutes Deutsch ist brauchbar, gutes Deutsch ist wichtig. Das wäre mal ein Motto für die Schulpolitik.

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Ist die Muttersprache ein schützenswertes Denkmal? „Ihre Kasse ist leer. Wir müssen ein gutes Wort für sie einlegen.“ (Albert Wendt) (Bild: ®Behland)

An Peter Ustinovs Londoner Schule wurde das Weltverständnis der Zehnjährigen mit der Frage ermuntert: „Wer war der beste Komponist?“ Ustinov gab Johann Sebastian Bach an, statt der einzig denkbaren Antwort „Beethoven“. So ein Angeber. Da mag sich mancher Leser an seine Schulzeit erinnert fühlen. Dumme Frage verdient blöde Antwort.

Könnte jemand allen Ernstes behaupten, die deutsche sei eine bessere, oder, je nach politischer Heimat, eine schlechtere Sprache als etwa die englische? Doch, das gibt es. Leute mit ausgeprägter Engstirn berufen sich auf Friedrich von Preußen, der Deutsch nur mit seinen Pferden sprach. Toll, dieser Mann! Da bin ich aber froh, selbst der übelste Pauker sprach mit uns Hornochsen Deutsch. Dass an unserer Muttersprache trotzdem etwas dran ist, entdeckte der Ingenieur Gerhard Junker im Lenkungsausschuss der europäischen Luftfahrtnormung.

Der Ausschuss hatte Handlungsanleitungen in englischer, französischer und deutscher Sprache so anzufertigen, dass Airbus-Mitarbeiter in Bristol, Toulouse und Hamburg exakt dasselbe verstanden und verrichteten. Die Debatten des Normenausschusses verliefen nach einem Muster: In der synoptischen Darstellung war stets der kürzeste Text der englische, der längste der deutsche, und selbst die sprachstolzen Franzosen räumten ein: „Der deutsche ist der präziseste!“ Immerhin eine willkommene Eigenschaft, wo es um Flugsicherheit geht, und nicht nur dort. Genauigkeit, im Tandem mit Verlässlichkeit, begründet den weltweiten Erfolg der Industrie aus deutschsprachigen Ländern.

Beweist das eine Überlegenheit unserer Muttersprache? Sicher, wenn man von früh bis spät nichts anderes vorhat, als sicherheitsrelevante Normen zu formulieren. Aber Jimmy Wales, Gründer der Wikipedia, meinte schon vor Jahren, er halte die deutschen Autoren für präziser als die englischen, die deutschsprachige Wikipedia habe eine höhere Qualität als die englischsprachige. Kenner kennen die Kehrseite dieser Ehrung: die Rechthaberei in den Diskussionsforen der deutschen Wikipedia.
Selbstverständlich kann man sich im Englischen so genau wie in jeder ausgebauten Sprache ausdrücken. Wenn man sich bemüht. Ebenso kann man Gewissenhaftigkeit in jeder Sprache unterdrücken. Das gelingt im Englischen mit weniger Mühe als im Deutschen. In manchen Lagen passt das nun mal besser. Kurzum: Die deutsche Sprache ist nicht präziser, sie ermuntert zur Präzision. Die Betonung liegt auf „ermuntern“.

Junker und Wales bezeugen, was bekannt sein sollte, aber nicht ist: dass Franzosen, Engländer und Deutsche ähnlich, aber nicht identisch denken. Das ist gut so, sonst kämen die Bürger der Welt stets auf die gleichen dummen Gedanken. So gesehen, bleibt zu hoffen, dass die Esten – die Weltbesten bei digitalen Lösungen im Staatsdienst – ihre befremdliche Sprache behalten. Damit wir nachsehen können, wie man die Probleme anders löst als in Berlin. Auch Estnisch hat etwas. Was lehrt es uns?

In jeder Sprache kommen andere Vorzüge zum Vorschein. Beschränken wir uns auf Englisch, weil Weltsprache, oder auf Deutsch, weil Muttersprache, verpassen wir viele originelle Lösungen. Ihre vierundzwanzig Amtssprachen stehen für den kulturellen Reichtum der EU, das Gegenteil einer geistigen Einöde! Fünfhundert Millionen Europäer möchten die Unterschiede im Auge behalten, die ihre Heimat von jeder anderen unterscheiden.

Tatsächlich liegt Stärke in der Vielfalt Europas. Sie gilt es zu erhalten, und sie beginnt bei der Muttersprache, bei den Muttersprachen. Was wäre daher das Dümmste, was wir mit dieser Erkenntnis anfangen? Dass wir den Unterricht in der Muttersprache kürzen; dass wir das Haus der Bildung auf Sand bauen; dass wir den Zugewanderten die Landessprache nicht aufzwingen; dass wir, nebenbei gesagt, übersehen, was jeder weiß, wenn er will, aber wer will es schon: Die Grundlage für gutes Englisch ist gutes Deutsch! Das gilt auch für die nächste Lernphase der Deutschverächter: „Hoppla, Englisch ist nicht mehr, jetzt ist Mandarin.“ Irrtum, liebe Leute, jetzt ist Deutsch! Jeden Tag.

Oliver Baer @ 10:01
Rubrik: Gesellschaft
Die Liebe und das Gendern

Beitrag vom 9 April 2018

Die sattsam bekannten linguistischen Einwände sind dagegen harmlos (Bild: © Fotolia).

Zwei kaum genannte Gründe stehen gegen gegenderte Sprache. Sie wiegen schwerer als die Motive, die für eine geschlechtergerechte Sprache angeführt werden.

Als bei sanfter Musik und Kerzenlicht zum ersten Mal das Zauberwort „Ich liebe dich!“ fällt, leuchten ihre Seelen auf. Sie rücken einander näher, sie planen das Morgen, sie sprechen die Worte erneut und immer wieder – und irgendwann, bei der elfundneunzigsten Wiederholung, wiegt die liebliche Formel kaum noch ein Quentchen ihres früheren Wertes. Immer öfter schwingt darin ein Unterton: Warum ist es nicht mehr wie zu Anfang? Schließlich, und wenn es gut geht, dämmert dem Paar, sie hätten öfter zuhören sollen, was dem anderen fehlt, statt die Blume ihrer Bindung mit Beschwörungen zu plätten. Liebe kann mit Worten sprachlos gemacht werden. Sie kann mit Worten auch nicht erzwungen werden.

Je öfter wir die gleichen Rechte der Geschlechter mit den dafür genehmigten Worten anmahnen, desto sicherer gerät die gute Absicht zur Floskel, die Worte verkommen zum Lippenbekenntnis. Die „Genossen und Genossinnen!“ verschleifen zu „G‘nossn und ‘Nossn!“, und man hört nun schon zum fünften Mal, wie die jährliche Konferenz mit „Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder!“ eröffnet wird – und keiner traut sich, den Wortbläser an sein Sprachgefühl zu erinnern. Das ist kein erdachtes Beispiel. Auch keine Ente ist ein Prospektentwurf, der an die „Lieben Prostatapatientinnen und -patienten!“ gerichtet war. Gut gemeinte Ausrutscher kommen vor, man könnte mit einem Lächeln darüber hinweggehen. Aber solcher Unfug ergibt sich, wie von allein, aus dem Gebrauch von Sprache, der die Gedanken abhandenkommen.

Selbstgerecht wissen, was richtig ist

Was man nicht mehr hören mag, rutscht zum rechten Ohr so flott hinaus, wie es zum linken eindrang. Im Gehirn bewirkt die Floskel nichts mehr, nur der Unmut über das umständliche Sprechen und Schreiben wächst, er wird gespeichert und gerät am Ende noch zu einem geistigen Tumor. Dass gegendertes Gerede die Verständigung trübt, mag hartgesottenen Genderideologen noch als vertretbares Opfer erscheinen. Aber so geht dem Feminismus die Glaubwürdigkeit verloren. Wer möchte schon fortwährend bevormundet werden? Die Sprache gehört allen, nicht den Lautstarken, die sich in ihrem eigenen Eifer sonnen, und schon gar nicht Leuten, die das Wort „Mann“ als Schimpfwort verwenden. Und dem Tatbestand einer rassistischen Hetze gefährlich nahe kommen: Frauen gegen Männer – die eine Hälfte der Mennschheit gegen die andere.

Warum ist das Gendern der Sprache so unangenehm? Nicht nur wegen der Sperrigkeit der „korrekten“ Sprachhülsen. Wo wir andere bevormunden, nötigen wir ihnen unsere Denkweise auf. Je heftiger wir es treiben, desto weniger Freiheit bleibt möglich. Davon betroffen sind nicht nur die Opfer, auch die Täter verfangen sich in der gestifteten Unfreiheit. Treue entsteht so nicht. Selbst wenn die Manipulation gelingt, bewirkt sie nur, dass zwanghaftes Nachplappern mehr wiegt als die Erkenntnis aus ureigenem Antrieb. Merke: Wer sich so weit gängeln lässt, verkauft seine Seele bei Gelegenheit auch der Gegenseite.

Dass uns alle Welt mit sprachlicher Gängelei unfrei halten möchte – Politiker aus Angst vor den Wählern, Unternehmen aus Angst vor den Kunden, Angstmacher aus Angst vor der Wahrheit – bietet noch keine Rechtfertigung, dass nun die Frauen mit denselben kurzlebigen Tricks zu ihrem Recht kommen. In Wirklichkeit fordern doch die Frauen, dass die Männer ihnen aus freier Entscheidung entgegenkommen und aus eigens gewonnener Überzeugung das Unangenehme und das Schöne gemeinsam ertragen.

Gendern geht gegen die Würde

Das Gendern der Sprache vernichtet die gute Sache von innen her, es widerspricht dem Sinn und Text des Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Wie sollen sich Frauen als gewürdigt erleben, wenn die Männer zum Wohlverhalten, zum Absondern von Lippenbekenntnissen genötigt werden? Falls diese Fülle an Widersprüchen nicht schlüssig aufgearbeitet wurde, kann es mit der so penetrant behaupteten Wissenschaftlichkeit der Gender Studies nicht weit her sein. Ein Fachgebiet, in dem Widersprüche ignoriert werden, ist keine Wissenschaft, sondern eine Lobbyveranstaltung, bestenfalls bloß eine Pütscherei. Das mögen die moderaten Feministen (damit sind die mitlaufenden Männer mitgemeint) bedenken. Und wenn sie schon dabei sind, prüfen sie die Quellen, aus denen sich die Genderideologie speist. „Männerfeindlich“ wäre eine Verharmlosung.

Was aber fangen wir mit der bereits beschädigten Sprache an? Hier ein Vorschlag zur Güte, er ähnelt einem Kompromiss, keiner wird ihn mögen. Akzeptieren wir vorab, dass noch viel zu tun bleibt, aber viel bereits erreicht wurde, und zwar ohne die Sprache zu verbiegen. Wörter erfahren über die Zeit einen Wandel ihrer Bedeutung. Volksschullehrer waren zuerst nur Männer, inzwischen sind neun von zehn an den Grundschulen Frauen. Sie prägen unser Bild, das wir mit dem Wort Lehrer verbinden. Dass es früher anders war, nehmen wir zur Kenntnis, es ist bedeutungslos. Wir sind weitergekommen.

Auf dieser Basis bietet sich eine Verständigung an: Wir erklären den Bedeutungswandel für sämtliche Bezeichnungen schlichtweg als erledigt, wir bekennen uns dazu, dass stets alle gemeint sind, niemand ist mitgemeint. Wir neutralisieren die Begriffe: Wir sprechen Frau Müller als Frau Lehrer, Frau Präsident, Frau Richter an, fertig, denn Frauen besetzen jetzt oder bald alle Positionen, die uns bisher als männlich vorkommen. Die letzten Ausnahmen verschwinden bereits: Putzfrauen, Krankenschwestern, Bardamen werden Putzkräfte, Krankenpfleger, Tresenkräfte …

Auf diese Weise gewinnen wir Ausdruckskraft zurück, die wir beim Gendern verlieren: Wo es beispielsweise darum geht, Frauen ausdrücklich zu nennen, greifen wir – bis dereinst das gleiche Recht für alle ohne Rest verwirklicht ist – auf die grammatisch weibliche Form zurück: „Für die Dozentinnen brauchen wir fünf beleuchtete Parkplätze!“ Man findet die veraltende Form im Wahrig oder Duden, dafür halten wir sie reserviert, so auch für die Bitte: „Für die Vorstandswahlen mögen bitte ein paar Juristinnen kandidieren!“ Frauen sind uns mehrheitlich normalen, psychopathisch unverdächtigen Männern willkommen. Sie werden bitter benötigt, denn in aller Regel bringen sie mehr Teamfähigkeit mit. Vive l’égalité et vive la différence!

Oliver Baer @ 13:32
Rubrik: Gesellschaft
Kaltschnäuziges Gerede

Beitrag vom 9 April 2018

Freedom is a word I rarely use without thinkin‘ …(Bild © Behland)

Spottolski, zuständig für die Erkundung des Volksmundes und anderer Lästigkeiten, bekam von der Redaktion den Auftrag zu einer Meinungsunfrage.

„Wieder eine Kompjuta-Erhebung? Endlich!“ Nein, keine Kästchen zum Ankreuzen; er solle die Leute frei sprechen lassen: Was ihnen an der Sprache nicht gefällt, was besser sein könnte.

„Frei sprechen sollen die?“ – „So ist es, sie sollen sagen, was man wohl noch sagen dürfe.“ – „Das wird bös enden.“ – „Spotto, deine Masche zieht hier nicht: Anhauen, draufhauen, abhauen.“ – „Ist aber total angesagt.“

Kurzum, er ließ sich überzeugen. Wen er befragen solle: „Die Kunden der Friseuse?“ – „Die maßgeblichen Leute, hier von der Bäckerei bis hinauf zur katholischen Kapelle.“ – „Alles klar, die Influenzas, aber keine mit einem gelben Hund.“ Das mochte er jedoch nicht weiter ausführen.


Die Gesprächsverläufe hat Spottolski eigenhändig mit einem Schlaufon aufgezeichnet und an drahtloser Leine direkt in die Redaktion übertragen. Damit hat er bei der Mieze der Friseuse gepunktet. Das fällt unter Nebennutzen, aber sie kam nicht mit zu den Interviews, die er wie folgt eröffnete:

„Sie sind ein Influenza. Was missfällt Ihnen an der Sprache, was soll sich ändern?“

MK ♂
„Gegenfrage: Ist Influencer weiblich oder männlich? Klär das mal! … Ein linker Kater, das fehlte mir noch.“ (Geräusch eines zugeknallten Fensters)

LW ♀
„Gut, dass Sie das sagen. Wir sind gar keine Sachsen. Wir sind eigentlich vom Stamm der Thüringer, vermischt mit Slawen. Und Fremden.“ – „Was?“ – „Ausm Westen. Die reden komisch.“ – „Soll das verboten werden?“ – „Man möchte ja unter sich bleiben, oder?“

BWS ♂
„Wie war nochmal die Frage? Was mir an der Sprache nicht passt? Dazu hab ich meine eigene Meinung.“

KE ♂
„Das kann ich dir sagen. Ich und die Kollegen fordern: Dummes Geschwätz muss verboten werden. Da muss die Regierung leuchtend voranschreiten. Noch was: Die Petry muss weg!“ – „Die ist schon weg.“ – „Echt? Ist nicht wahr.“ – „Ist es.“ – „Richtig weg? Na gut, dann diese Andere, wie heißt sie nochmal.“ – Spottolski verspricht, den Namen ausfindig zu machen. KE ist es zufrieden.

SP ♂
„Ich sage nur: Jeder, dem nichts einfällt, bekommt seine eigene Verschwörungstheorie, darf er selber formulieren.“ – „Das tun die Leute bereits.“ – „Sollen sich mehr Mühe geben. Sag das der Regierung.“ – „Mach ich“, verspricht Spottolski, „gleich nachher.“

An dieser Stelle fragte Spottolski, ob er weitermachen solle. Wir ließen das nicht zu: „Du machst dich gut. Durchhalten, wir schaffen das.“

PL ♀
„Wir wollen mehr männliche Wörter: Wie ‚der Frieden‘, ‚der Anstand‘, ‚der Seehofer‘. Die Männer brauchen Selbstwertgefühl. Wär doch besser, wenn es ‚der Gefühl‘ heißt, ‚der Sex‘ und so.“ – „Sex ist bereits männlich: der Sex.“ – „Stimmt. Na, dann geht‘s ja noch. Haben Sie Hunger“ – „Ich krieg gleich Krabben. Zusatzfrage: Sie wollen aber nicht ‚der Hebamm‘, ‚der Bardame‘?“ – „Will mich da einer auf den Arm nehmen, was!“ (an dieser Stelle der Aufzeichnung ein Knirsch- beziehungsweise Knutschgeräusch;, haben wir knallhart zensiert)

GFS ♀
„Ich bin für die Umwolkung.“ – „Was meinen sie damit?“ – „Ich sag ja nichts. Ich meine bloß.“ – „Was hat das mit der Sprache zu tun?“ – „Gute Frage. Aber was anderes: Seit wann stromern Sie hier oben herum, Sie stehen doch auf die Friseuse?“ – „Dazu habe ich meine eigenen Fakten.“ – „Kann man gar nicht genug von haben.“

Darauf erneut Spottolskis an uns: Ihm stehe die Sache bis hierhin. Worauf ihm die Volontärin (das ist die mit dem kurzen Rock, mehr darüber ein andermal) Mut zusäuselt: „Spotto, Du schaffst es.“ Was Frauen halt so sagen. Und er schafft es. Schon das nächste Gespräch belebt ihn.

DD ♂
„Ich bin für die Sprache. Schreib das mal auf!“ – „Auch für Sonne im Sommer?“ – „Genau! das trifft den Nagel ins Gesicht. Und was tut die Regierung? Nichts! Gelbe Karte.“

HH ♀
„Na klar hab ich eine Meinung. Jeder soll so viel Blödsinn reden, wie er kann, Hauptsache ist am Mikrofon. Und faktenfern. Das wird man wohl noch sagen dürfen!“

KK ♀
„Gut, dass wir darauf zu sprechen kommen. Hören Sie überhaupt zu?“ Vermutlich nickt Spottolski an dieser Stelle, denn die Frau fährt fort: „Anglizismen gehören verboten, wie damals beim Führer.“ – „Da gabs keine.“ – „Sag ich doch.“ (Darauf eine sexistische Bemerkung des Katers, die wir, nach Abwägung ob sie gut klingt, gestrichen haben)

PTK ♂
„Kater, was willst du wissen, du willst die Wahrheit? Die stimmt nicht. Alles gelogen.“ – „Geht es etwas genauer? Was ist gelogen?“ – „Alles. Das weiß ich aus dem Internet.“ – „Zusatzfrage, darf ich?“ – „Nur zu!“ – „Woran erkennt man, dass wahr ist, was im Internet steht?“ – „Ich weiß, was ich weiß. Sagte schon Sokrates.“ – „Socrates, der Fußballer? Das hat der gesagt?“ – „Der Grieche.“ – „Wer behauptet denn sowas?“ – „Alle.“ – „Dann stimmt es?“ – „Dann stimmt es.“– „Er hat genau das Gegenteil gesagt: Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ – „Das ist Fäik Njuhs! Kater, du musst nicht alles glauben.“

An dieser Stelle, auf dem halben Weg zur Kapelle, kehrte Spottolski um. Wir mussten ihn mit Thunfisch laben (in Öl ohne Gemüse!) sowie Nordseekrabben und Lakritze.

Er lässt ausrichten, jetzt gehe es wieder. Bloß, dass ihn die Frauen siezen, sei neu. Wir vermuten, sie sind einfach sensibler, was die tierische Korrektheit angeht, als die Männer. Wir haben ihm versprochen, er darf demnächst dschendern: „Es ist ja angesagt.“

Oliver Baer @ 13:23
Rubrik: Von Babylon nach Globylon
Fixiert auf „Ich auch“

Beitrag vom 20 Februar 2018

Nein, zwischen Denkern und Gläubigen ist keine Mauer geplant (Bild © Fotolia)

Was unter dem Kürzel #metoo eingefordert wird, ist eine Selbstverständlichkeit. Oder besser: Sie wäre es, würde sie nicht überlagert durch ein zerstörerisches Anliegen. Die zu Recht erbosten Frauen vergreifen sich an der freien Rede, und das schadet auch den Betroffenen.

„Mein Herr, Sie haben meine Dame fixiert!“ Seltsam, wie dieser Satz aus fernen Zeiten herüberweht, als würde er in diese Gegenwart passen. Wir kennen ihn aus Büchern und Filmen. Wer so sprach, forderte zum Duell. So starr waren die Sitten, und das werden sie offenbar wieder. Im Spiegel (4/2018) war zu lesen: Zusammen mit 30.000 Stimmen einer Netzpetition fordert Minnie Driver, dass Matt Damons Auftritt aus dem Film „Ocean’s 8“ geschnitten werde. Nicht wegen irgendwelcher Stellen im Drehbuch, nein, er hatte sein ausdrückliches Lob für die #metoo-Kampagne so ergänzt: „Zwischen einem Klatsch auf den Po und Vergewaltigung oder Kindesmisshandlung besteht aber ein Unterschied.“ Minnie Driver – früher mit ihm liiert – verkündete dann auf Twitter, Männer wie er seien „systemisch Teil des Problems“, gerade wegen ihrer Differenzierungsversuche zwischen sexueller Belästigung und Vergewaltigung.

Hoppla, das ist so eine Stelle, an der man ganz, ganz langsam weiterlesen darf. Auch unbescholtene Männer wie er dürfen nicht unterscheiden? So wie man Mundraub, Einbruchdiebstahl und Raubüberfall unterscheidet? Ein paar zehntausend Frauen, oder lass es Millionen sein, wollen durchsetzen, dass Matt Damon, und wir mit ihm – in der denkbar plattesten Auslegung des Digitalen in diesem Zeitalter – nur schwarzweiß denken dürfen: als gäbe es nur Null oder Eins, An oder Aus. Warum müffelt das nach „gesundem Volksempfinden“? Merken die Frauen und ihre wackeldackelnden Männer nicht, in welche Falle sie uns locken?

Sobald wir aufhören, mittels der Sprache zu unterscheiden, lassen wir uns vorschreiben, was wir denken sollen, also glauben müssen. Zum Menschsein gehört aber, dass wir klären, ob zwei Dinge dasselbe oder nur das Gleiche oder überhaupt etwas ganz Anderes sind. Der Generalangriff auf die Sprache läuft bereits. Minnie Driver ist zu danken, dass sie die Strategie so treffend entlarvt hat: Wir sollen von der Chance enteignet werden, die Dinge aus eigener Kraft wahrzunehmen, zu erkennen, zu unterscheiden, einzuordnen. Wir sollen, sprachlich kastriert, denken und sagen, was angesagt ist. Das Ansagen haben die Nationalsozialisten getan, die Kommunisten, die Faschisten. Die Islamisten tun es, die christlichen Fundamentalisten und mit ihnen viele liebe, gute Menschen, die nicht merken, was auf dem Spiel steht.

Das ist keine Verschwörung. Schlimmer, da schalten die Leute ihr Gehirn freiwillig aus. Aber wem schon die Sprache fehlt, das Gewünschte wie das Verbotene auszudrücken, der wird es nicht mehr wahrnehmen, wenn es ihm auch ins Auge springt. Der darf nur nachplappern, was als richtig gilt – und das legen andere fest. Der Verdacht besteht, dass nicht alle so unschuldig sind, wie sie tun; sie glauben an einen guten Zweck: Dieses kleine Opfer sei aus Respekt vor der weiblichen Kreatur gerechtfertigt!

Das ist es nicht, denn hier werden wir um die Substanz betrogen. Einen Wandel in meinem Bewusstsein führe ich – und nur ich selber – in mir herbei, indem ich die Klarheit meines Denkens bewahre und strapaziere. So gelingt mir der Austausch zwischen dem Denken und der Sprache. Lassen wir uns die Sprache nehmen, wird das Ergebnis keine Verbeugung sein, die wir uns leisten konnten: „Den Versuch war es aber wert!“ Beschränkte Sprache erlaubt beschränktes Denken, mehr nicht. Wenn bereits ein unbescholtener Schauspieler aus seinem Film zu schneiden ist, weil er seinen Alltagsverstand auch sprachlich noch zu verwenden imstande ist, so wird eines deutlich: Da denken zu viele Frauen so unklar, wie sie reden.

Ms Driver, sie haben uns Herren fixiert, das verbitten wir uns!


Minnie Drivers Angriff ist auch hier nachzulesen: Petition demands Matt Damon be cut from Ocean’s 8

Oliver Baer @ 15:07
Rubrik: Gesellschaft